27.07.2013 / Allgemein / /

Fraktionsmeinung Konzept Standortmarketing

Um Marketing betreiben zu können braucht es erst mal ein Produkt. In unserem Fall ist Wohlen unser Produkt, unsere Marke oder für alle ohne Angst vor Anglizismen, unser Brand.
Als zweites brauchen wir Kunden. Privatkunden (15’000 sind es seit kurzem) und Geschäftskunden, also unsere Firmen, oder auch Firmen und Personen von ausserhalb, die unser Produkt in irgendeiner Art und Weise nutzen. Wir haben Stammkunden (alle die schon länger da sind), Neukunden (auch Neuzuzüger oder Investoren genannt), Laufkunden (Partner(z.B. andere Gemeinden), Kunden im klassischen Sinn etc.).
Kurz: Verschiedene Ansprüche an unser Wohlen.

Weil wir Wohlen ja nicht nochmals neu erfinden können, müssen wir, wohl oder übel (entschuldigen Sie den negativen Ton) mit dem klar kommen, was wir haben. Und wir müssen uns auch klar sein, was wir haben und was wir denn vermarkten, und wie wir uns positionieren wollen. Dies hat sehr viel damit zu tun, wie wir Wohlen wahrnehmen. Erst auf einer zweiten Stufe kommt dann der Faktor, wie werden wir von aussen wahrgenommen, zum Zug. Beides hat aber ziemlich viel miteinander zu tun.

Wir haben leider keinen See. Schade! Unsere Bünz ist der grösste Bach des Kantons, leider ohne grosse Chance, noch zum Fluss aufzusteigen. Unsere Zugsverbindungen sind, na ja nicht gerade eines Regionalzentrums würdig, die Gastronomie hat keine Punkte, Hauben und anderweitige Auszeichnungen, etc.
Aber nein jetzt bin auch ich auch schon wieder in diesen Negativismus reingerutscht. Hmmm! Und ach ja, bei uns ist eben alles etwas „speziell“……

Wer aber Wohlen mal von aussen betrachtet oder gar mit unbefangenen Menschen spricht, z.B. Auswärtigen die nicht gerade in den Nachbardörfern leben, stellt fest dass wir gar nicht so ein Sonderfall sind, und man staune, durchaus auch positiv wahrgenommen werden. Fragen Sie z.B. einmal Neuzuzüger, warum sie sich für unsere Kleinstadt entschieden haben. Und Sie werden staunen, wie viel positives aufgezählt wird.

Nichts desto trotz müssen wir bei den „harten“ Faktoren muss Wohlen immer wieder unten durch, wie uns die Ratings von Bankinstituten und Hochglanzmagazinen jährlich wieder vor Augen führen und den Finger in die Wunde pressen. Wir dürfen diese natürlich nicht aus den Augen verlieren und müssen wo möglich Verbesserungen erwirken (qualifizierte Arbeitsplätze, verbessertes Durchschnittseinkommen, Infrastruktur, ÖV, etc.) allerdings ist hier unser Einfluss teilweise beschränkt, von äusseren Faktoren beeinflusst (Kanton, etc.) oder schlichtweg nicht vorhanden (Seeanstoss, etc.).

Nun gibt es die Möglichkeit, sich in eine Ecke zu verziehen, die Wunden zu lecken und resigniert hinzunehmen wie schlecht, denn alles sei oder man beruft sich auf die vermeintlich wenigen guten Seiten und schlachtet diese aus. Beispiele gefällig?
Schulangebot, Verkehrslage, Sportanlagen, Natur in und um Wohlen (nähe zum See), Einkaufsangebot, etc. Natürlich überall mit Verbesserungspotential. Aber wer will schon stillstehen.

Viele unserer „guten Seiten“ gehören zu den weichen Faktoren welche leider in den Ratings immer ein wenig untergehen. Dafür sind sie direkter von uns beeinflussbar. Eine kundenfreundliche Verwaltung (inkl.HP), ein freundlicher Empfang an der Hauptstrasse, etc. Und alles relativ günstig zu haben.Natürlich darf man nicht nur an der Fassade arbeiten. Ein neues logo allein bringt uns nicht weiter. Aber „Aufschwung beginnt im Kopf“, hiess es mal vor ein paar Jahren.

Im vorliegenden Konzept gibt es verschiedene Ansätze, unseren Brand Wohlen aufzupolieren, überhaupt erst greifbar zu machen und letztendlich an den Mann/die Frau zu bringen. Es handelt sich bei vielem um Massnahmen, die rasch umgesetzt werden können. Wir können und müssen auf die grossen Schritte hinarbeiten, aber machen wir doch in der Zwischenzeit auch die kleinen. Auch diese führen ans Ziel. Nur warten bringt sicher nichts, denn die anderen stehen nicht still.

Ein gutes Image braucht viel Zeit und Arbeit, es ergibt sich nicht von alleine und es muss gepflegt werden.
Ein schlechtes Image gibts gratis und wenn man es „richtig“ anstellt auch urplötzlich!

Die CVP-Fraktion steht hinter dem Bericht und Antrag und stimmt der Einführung einer professionellen Standortförderung zu. Den finanziellen Aufwand erachten wir als tragbar.
Wir erwarten aber, dass sich der Gemeinderat und dieVerwaltung dieses Thema einverleiben und in die Abläufe integriert, damit es beim Handeln zur Selbstverständlichkeit wird.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss:
Mit 15’000 Einwohnern wäre es definitiv wieder Zeit sich mit der Stadtfrage auseinander zu setzen. Ein Teil der Stadtgegner hat damals argumentiert, es müsse sich zuerst etwas entwickeln. Viel Initiative aus diesen Reihen haben wir bis jetzt nicht gespürt. Jetzt wäre die Chance dazu da, etwas zu entwickeln.
Roger Isler Einwohnerrat